Der Ortsgemeinderat in Kettig fasst Beschlüsse, das Geld steht bereit und trotzdem passiert zu wenig. In der Sitzung des Ortsgemeinderats am Donnerstag, den 18. Juni hat die SPD-Fraktion bei mehreren Projekten konkret nachgefragt. Die Antworten zeigen ein Muster: Vieles ist entschieden, kaum etwas wird umgesetzt und der Rat erfährt davon viel zu spät.
Das deutlichste Beispiel ist der Antrag der SPD-Fraktion zur Errichtung eines Bolzplatz. Das Geld steht bereits seit dem Haushalt 2026 bereit. Trotzdem hörte der Rat monatelang nichts. Der Förderantrag wird erst jetzt, kurz vor Fristende, gestellt. „Wir drängen darauf, dass die Lösung am Sportplatz jetzt kommt und nicht erst, wenn die Förderung weg ist“, betont die Fraktionsvorsitzende Gabriele Kohns.
Ähnlich verläuft es bei der Neugestaltung des Schulhofs: Der Beschluss steht seit fast fünf Monaten, eine Arbeitsgruppe soll die Neugestaltung entwerfen. Die Gruppe gründen will die Verwaltung aber erst zur Schulträgerausschuss-Sitzung im November. „Dann hätten wir fast ein Jahr verloren, nur um eine Arbeitsgruppe an einen Tisch zu setzen“, kritisiert Johanna Manns, stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende. „Die SPD-Fraktion hat den Ortsbürgermeister gebeten, den Termin vorzuziehen.“
Vor der Entscheidung über den SPD-Antrag für eine verkehrsberuhigte Zone im Niederflur wollen alle Fraktionen zuerst die Anwohnerinnen und Anwohner befragen. Darauf hatte man sich zuvor bereits gemeinsam verständigt. Doch die Verwaltung hat dies nicht weiterverfolgt, wodurch es bis heute keinen Termin gibt. Auch zu Kita, Sportplatz und Betreuender Grundschule kam der Rat erst auf Anstoß der SPD ins Gespräch.
Durch alle Themen zieht sich dasselbe Problem. „Der Ortsbürgermeister informiert den Rat zu wenig“, fasst Fraktionsvorsitzende Gabriele Kohns zusammen. Wie ernst die Folgen sind, zeigte sich am Ende der Sitzung. Die Fraktionsvorsitzende der CDU kündigte ihren Rückzug an. „Wenn erfahrene Ratsmitglieder aufgeben, verliert am Ende die Gemeinde.“
„Diese Sitzung war ein Tiefpunkt für die Kettiger Kommunalpolitik. Die Verwaltung steht jetzt in der Verantwortung, ihren Kurs zu wechseln. Aber auch wir müssen Wege finden, konstruktiv und ohne Streit in den nächsten Jahren gute Politik für die Zukunft unseres Dorfes zu machen“, sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Nick Quint. „Es geht darum, Lösungen zu finden – nicht zur parteipolitischen Profilierung, sondern aus Liebe zum Dorf und zu den Kettigerinnen und Kettigern, die uns mit dieser wertvollen Aufgabe betraut haben.“


